Rechtliches fortgeschritten

Dark Patterns

Dark Patterns sind manipulative Designelemente auf Websites und in Apps, die Nutzer durch gezielte Gestaltung zu Entscheidungen verleiten sollen, die ihren eigentlichen Interessen widersprechen – etwa zur Preisgabe unnötiger Daten oder zum Kauf ungeplanter Leistungen.

Ausführliche Erklärung

Dark Patterns kombinieren Design-, Marketing- und psychologische Techniken, um das Verhalten von Nutzer:innen in eine bestimmte Richtung zu lenken. Sie arbeiten nicht mit offensichtlichen Falschaussagen, sondern nutzen kognitive Verzerrungen, Zeitdruck und Informationsüberflutung, um freie Entscheidungen zu beeinträchtigen. Typische Beispiele sind Cookie-Banner, bei denen die Ablehnung mehrere Klicks erfordert, während die Zustimmung prominent hervorgehoben ist, künstliche Verknappungsmeldungen in Online-Shops oder bewusst versteckte Kündigungsoptionen bei Abonnements.

Für KMU ist das Thema aus zwei Perspektiven relevant: Einerseits als mögliche Nutzer:innen solcher Techniken, andererseits als betroffene Verbraucher:innen. Die rechtliche Einordnung ist komplex, da Dark Patterns zwar nicht explizit in älteren EU-Rechtsakten erwähnt werden, aber gegen bestehende Vorgaben verstoßen können. Die DSGVO fordert in Artikel 5 und 12 Transparenz und Fairness bei der Datenerhebung sowie klare und verständliche Informationen. Artikel 25 verlangt datenschutzfreundliche Voreinstellungen. Zusätzlich verbietet die Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken irreführende und aggressive Praktiken im B2C-Bereich.

Mit dem Digital Services Act (DSA), der seit Februar 2024 EU-weit gilt, wurde erstmals ein konkretes Verbot von Dark Patterns für Online-Plattformen verankert. Artikel 25 DSA verbietet es, Oberflächen so zu gestalten, dass Nutzer:innen getäuscht oder in ihrer Fähigkeit zu freien Entscheidungen beeinträchtigt werden. Die EU-Kommission plant mit dem Digital Fairness Act eine weitere Verschärfung der Regelungen. Verbraucherschutzbehörden gehen bereits gegen manipulative Praktiken vor, und Studien zeigen, dass etwa 40 Prozent der kontrollierten Online-Shops solche Methoden einsetzen.

Für KMU bedeutet dies: Die Verwendung von Dark Patterns birgt erhebliche rechtliche Risiken. Verstöße können nach dem UWG als wettbewerbswidrig eingestuft werden und zu Abmahnungen, Bußgeldern oder Unterlassungsklagen führen. Transparente, nutzerfreundliche Gestaltung ist nicht nur rechtlich geboten, sondern schafft auch langfristig Vertrauen bei der Kundschaft.

Praxisbeispiel

Ein österreichisches E-Commerce-Unternehmen mit 15 Mitarbeitenden optimiert seinen Online-Shop für Sportartikel. Bisher war der "Alle Cookies akzeptieren"-Button im Cookie-Banner grün und prominent, während "Ablehnen" nur über einen Link auf einer zweiten Ebene erreichbar war. Nach einer rechtlichen Prüfung gestaltet das Unternehmen das Banner um: Beide Optionen erscheinen nun gleichwertig auf der ersten Ebene. Gleichzeitig entfernt es die vorausgewählten Häkchen bei der Newsletter-Anmeldung im Checkout. Die Umstellung senkt zwar kurzfristig die Cookie-Zustimmungsrate, schützt aber vor Abmahnungen und stärkt das Kundenvertrauen.

Quellen

Zuletzt aktualisiert: 1. Juni 2026