Technik fortgeschritten

Remediation Gap

Der Remediation Gap bezeichnet die zeitliche und organisatorische Lücke zwischen der Identifizierung von IT-Sicherheitslücken und deren tatsächlicher Behebung. Je größer diese Lücke, desto länger bleibt das Unternehmen bekannten Risiken ausgesetzt.

Ausführliche Erklärung

Der Remediation Gap entsteht, wenn Sicherheitsteams zwar Schwachstellen in IT-Systemen identifizieren, diese aber nicht zeitnah behoben werden können oder werden. Dies kann technische, organisatorische oder ressourcenbezogene Ursachen haben. Untersuchungen zeigen, dass zwei Drittel aller Unternehmen einen Rückstau von über 100.000 unbearbeiteten Schwachstellen aufweisen – ein deutliches Indiz für die Dimension des Problems.

Die Hauptursachen für einen Remediation Gap liegen häufig in ineffizienten Prozessen, fehlender Kommunikation zwischen Sicherheits- und IT-Teams sowie unklaren Verantwortlichkeiten. Während Sicherheitsteams Schwachstellen entdecken und priorisieren, sind es typischerweise andere Abteilungen wie IT-Operations, Entwicklung oder Infrastruktur-Teams, die die eigentliche Behebung durchführen müssen. Diese Trennung führt zu Verzögerungen und Abstimmungsproblemen.

Für KMU ist der Remediation Gap besonders kritisch, da bekannte, aber nicht behobene Schwachstellen ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen. Angreifer nutzen gezielt solche Lücken aus, die bereits öffentlich dokumentiert sind. Ein großer Remediation Gap erhöht nicht nur das Risiko für Datenschutzverletzungen und finanzielle Schäden, sondern kann auch regulatorische Konsequenzen nach sich ziehen, wenn nachweislich bekannte Sicherheitslücken nicht adressiert wurden.

Moderne Vulnerability-Management-Systeme versuchen, den Remediation Gap durch Automatisierung, klare Priorisierung nach Geschäftsrisiko und verbesserte Workflows zwischen Teams zu reduzieren. Entscheidend ist dabei nicht nur die technische Erkennung, sondern vor allem die organisatorische Fähigkeit, identifizierte Probleme systematisch und zeitnah zu beheben.

Praxisbeispiel

Ein österreichisches IT-Beratungsunternehmen mit 45 Mitarbeitenden setzt vierteljährlich Schwachstellen-Scans ein und identifiziert dabei regelmäßig 200-300 Sicherheitslücken. Aufgrund begrenzter IT-Ressourcen und fehlender Priorisierung werden jedoch nur die kritischsten 20-30 Schwachstellen zeitnah behoben. Die restlichen bleiben über Monate unbearbeitet – ein klassischer Remediation Gap. Durch Einführung eines automatisierten Priorisierungssystems nach Geschäftsrisiko und klare Verantwortlichkeiten konnte das Unternehmen die durchschnittliche Behebungszeit von 90 auf 14 Tage für hochkritische Schwachstellen reduzieren.

Quellen

Zuletzt aktualisiert: 1. Juni 2026