Einheitskontenrahmen
Der österreichische Einheitskontenrahmen (EKR) ist ein standardisiertes System zur Gliederung von Buchführungskonten, das in Österreich für die doppelte Buchführung verwendet wird. Er folgt dem Abschlussgliederungsprinzip und gliedert sich in zehn Kontenklassen (0-9).
Ausführliche Erklärung
Der Einheitskontenrahmen wurde erstmals 1947 vom Österreichischen Kuratorium für Wirtschaftlichkeit entwickelt und wird seit dem ÖPWZ (Österreichisches Produktivitäts- und Wirtschaftlichkeits-Zentrum) herausgegeben. Der EKR ist nach dem dekadischen System aufgebaut: 10 Kontenklassen, die jeweils in 10 Kontengruppen (zweistellig) und weiter in Konten (dreistellig) unterteilt sind. Unternehmen können ihren individuellen Kontenplan bei Bedarf auf vier und mehr Stellen erweitern.
Die Kontenklassen 0 bis 3 sowie 9 bilden Bestandskonten für die Bilanz, während die Klassen 4 bis 8 Erfolgskonten für die Gewinn- und Verlustrechnung darstellen. Der Kontenrahmen wird von der Kammer der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer als Fachgutachten KFS/BW 6 veröffentlicht und ist auf die Anforderungen der österreichischen Finanzbuchhaltung und des Unternehmensgesetzbuches abgestimmt.
Für österreichische KMU, die der Rechnungslegungspflicht nach § 189 UGB unterliegen, ist der EKR die zentrale Grundlage ihrer Buchhaltung. Kapitalgesellschaften wie GmbH und AG sind unabhängig von der Unternehmensgröße zur doppelten Buchführung verpflichtet. Einzelunternehmen und Personengesellschaften müssen ab zweimaligem Überschreiten der Umsatzgrenze von 700.000 Euro in aufeinanderfolgenden Jahren oder einmaligem Überschreiten von 1.000.000 Euro auf die doppelte Buchführung mit dem EKR wechseln.
Der EKR unterscheidet sich fundamental von den deutschen Kontenrahmen SKR03 und SKR04. DATEV hat zwar den SKR07 in Anlehnung an den österreichischen EKR erstellt, jedoch sind die deutschen Kontenrahmen für österreichische Unternehmen nicht zulässig und nicht kompatibel mit FinanzOnline. Moderne Buchhaltungssoftware für den österreichischen Markt hat den EKR standardmäßig vorkonfiguriert und ermöglicht oft eine automatische Zuordnung von Buchungen zu den korrekten Konten.
Praxisbeispiel
Ein österreichisches IT-Beratungsunternehmen mit 12 Mitarbeitenden überschreitet erstmals die Umsatzgrenze von 700.000 Euro. Da dies zwei Jahre in Folge geschieht, muss die Geschäftsführung ab dem übernächsten Geschäftsjahr von der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung zur doppelten Buchführung wechseln. Das Unternehmen führt eine moderne Buchhaltungssoftware ein, die den EKR bereits vorkonfiguriert hat, und beginnt systematisch alle Geschäftsvorfälle nach der Kontenstruktur zu erfassen.